Freitag, 14. März 2014

Bekannte Fremde!

Am Montag, am Mittwoch, gestern: Man trifft sie immer wieder, man scheint sie zu kennen, weil man weiß was sie kaufen. Doch eigentlich sind es Fremde: Die Frau mit dem grauen, gepflegten Haar - der Herr mit den nackten Füßen in den Sportschuhen und der ausgebeulten Bundfaltenhose. Ich treffe Sie immer wieder beim Einkaufen. Man lächelt sich zu, ... man tauscht Worte wie "Darf ich mal eben ...!" oder "Ups, das ist mein Wagen ...". Man weiß, wie sie verschmitzt lächeln können, wie sie sich kratzen, wenn sie nachdenken, bevor sie Suppentüten aus dem Regal kramen. Sie mag eher Obst und Schnapspralinen - er steht auf besagte Tütchensuppen, Toas und Frischkäse mit Sixpack. Wen ich meine? Ich nenne Sie "Meine bekannten Fremden".  
In meiner Heimat gab es sie. In meiner Studienstadt gab es sie. Und im Hier und Jetzt gibt es sie auch. Aber was ist aus der alten Dame geworden, die immer mit Ihrem Stock und ihrer roten Stofftasche zum gleichen Obsthändler ging wie ich? Was ist aus dem Herren mit dem grauen Pudel ohne Benehmen geworden? ... Ich muss mir die Geschichten selbst ausdenken.
Wir sind immer wieder weggezogen, wir haben aufs Neue das Setting getauscht und inzwischen wieder ein uns bekanntes Umfeld. Die Einkaufsgewohnhheiten haben sich an Wimmlingen angepasst und statt eines stets etwas muffeligen Briefträgers haben wir alternierend eine rauchende, hektische schwarzhaarige und eine recht blond coole Briefträgerin. Manchmal fehlt einem der Muffel.
Und wann wird aus bekannten Fremden weitläufige Bekannte? Manchmal sind die Grenzen fließend. Ich glaube zum Beispiel, dass mich die Dame mit den grauen, gepflegten Haaren inzwischen auch schon ganz gut kennt. Ich bin die mit den roten Schlappen und dem immer überfüllten Einkaufswagen, die nie Klopapier vergisst. 

Euch ein schönes Wochenende und einen schönen Einkauf morgen!

Silke


Wir haben hier zwar nicht Tante Emma, aber so in der Art ...


Mittwoch, 26. Februar 2014

Sehr verehrtes Publikum ...

Circus, Karneval, Fasching oder wie ich in den letzten Jahren lernen durfte Fasenat - das lässt viele Menschen mutieren  - verwandeln, zu dem, was sie eigentlich sein wollen und der Alltag nicht zulässt.
Karneval, der "wird sehr unterschiedlich zelebriert: Karnevalsumzüge, Masken, Musik und das Verkleiden spielen eine Rolle. ..." (Wikipedia) Eine Rolle? Es ist an sich das Wichtigste überhaupt. Eine neue Haut überstülpen, mal Tabus brechen, Tanzen & Singen, mal anders sein dürfen.
Celebration - ganz ohne Schokolade, vielleicht mit ein bisschen Alkohol für den Mut - und husch, husch ich lass mich verwandeln. Da wird aus einem Bänker der Eisbär von ALDI, da wird aus einer PR-Fachfrau eine Minnesängerin aus dem Kostümverleih, und aus uns? Ähm, ja was wird aus uns. Bist Du der Typ Baumarkt und selfmade, oder eher gekauft und geliehen?
Wir stehen gerne ab und an, zu festgelegtem Kodex (damit wir nicht auffallen) versteht sich, im Rampenlicht - auf der Bierbank, dem Tanzpodium oder am Straßenrand. Manch einer wird dabei zur Rampensau (ich denke da gerade auch irgendwie ans Oktoberfest oder den Wasen) ... andere springen schon weit über Ihren Schatten, wenn sie im Ringel-T-Shirt, den Matrosen mimen.
Aber alles hat mit Selbstdarstellung zu tun - wie jeder Blog (auch dieser) - wie jeder Facebook-Account. Selbstdarstellung, Eigenwerbung - PR im weitesten Sinne. Wir haben alle etwas zu sagen. Sei es durch Bilder, durch Worte, durch Aktionen. Das Netz bietet uns durch seine Vielfalt und sein Facettenreichtum den nötigen Voyeurismus, den wir wollen. Datenschutz hin oder her, wir wollen das, wir brauchen das und viele Leben davon - richtig pekuniär. Karnevall vor ever. Früher bedeutete es oftmals eine Kariere als Cirkusakteur, sogenannter Schausteller und Schauspieler ... heute reicht unsere Freiheit der Vielfalt, wenn wir unseren Alltagstrott unterbrechen, ein bisschen ausbrechen und Facebook bedienen, Bloggen oder Samstagabend nach einem Vorglühen auf die Piste schreiten, um in ein Leben der Leichtigkeit zu verfallen - wo man Komplimente bekommt, die Sprache leichter - direkter läuft und man danach wieder in sein Alltagssofa fallen darf. So ein bisschen sind wir dem Alltag entrückt, haben das Überleben des individuellen Ichs ausserhalb des Hamsterrades getestet, frei nach dem Motto: I will survive. Juhu!
Da sitze ich nun in meine Sofakissen zurückgelehnt - würde mich natürlich freuen, von Euch "Feedback" zu bekommen, da ich mit Euch im Kommunikationsprozess nicht nur auf Einbahnstraße gepohlt bin, sondern natürlich gerne Meinung hören würde. Also, nur zu!

Silke

Und wie immer noch ein musikalisches Schmankerl passend zur Thematik:


Mittwoch, 29. Januar 2014

Olfaktorisches Pop-up

Hey, (ich weiß Mama, der Hey steht im Kuhstall und macht Muh) ja, aber hey, es war mal wieder so weit. Und es hat mich kalt erwischt - mitten in der heißen Badewanne: Ein Pop-up-Fenster. Die Erinnerung - unverwechselbar, unvergesslich, wunderschön - zum Heulen schön!
Kurz zur Erklärung: Eine ganz arg liebe Freundin hat mir ein Carepaket geschickt. Das gerade jetzt, da ich permanent mit Heißerkeit kämpfe, Tee und Bonbons wirklich gut gebrauchen kann. Hm, Zitrone! Herzlichen Dank an dieser Stelle.
Liebevoll verpackt lag in dem gelben DHL Päckchen nocht etwas, worüber ich mich ja immer freue. Mit Sternzeichen Wasserratte, und Aszendent Fisch lebe ich mehrere Stunden pro Woche im direkten Kontakt mit Wasser - ohne geht es nicht. Gerade dieser Schnittpunkt des Osthorizonts mit der Ekliptik ist dominant vererbt. Das wurde mir mal wieder voll bewußt, als ich das neue Pülverchen in das einfließende, heiße Nass meiner Badewanne rieseln lies.
Der Geruch, das Geräusch ... eine Erinnerung an Kachelofen gewärmte Handtücher, Abenteuerfluten in einer abgeschrummelten Wanne, Abendessen mit Mensch-Ärger-Dich-Nicht, Pfirsiche - steigenweise - Cornetto, Fernsehen auf drei Kanälen, unbeobachtete Spiele in einem Gemäuer und Garten - ein Schloß für kleine Menschen, ein Paradies zum Abtauchen für Kinderfantasien ... die Ferien meiner Kindheit, die Ferien unserer Kindheit (eine treue Leserin dieses Blogs, weiß genau, was ich meine).
Und diejenige, die uns dies bot, liebte diesen Geruch - so wie ich - so wie du?
Seit Jahren streune ich durch die Gerüche-Küche der Drogerien - immer auf der Suche nach der besonderen Flasche, immer getreu dem Motto: Flüssigkeit - blau - Melisse. So schwer kann es nicht sein. Tsh, ist es aber doch! Jedesmal folgte die bittere Enttäuschung in der dampfenden Nasszelle.

Tja, wer hätte es gedacht: In einem unscheinbaren weißen, fast nüchternem Tütchen, auf der eine schmucklose Aufschrift "Melisse-Baldrian" prankt, befindet sich ein Pulver, mit all diesen Gefühlen ... randvoll mit dieser Leidenschaften, die wir im Herzen teilen. Oh, wie ich explizit diese Momente manchmal gerne noch einmal erleben würde: die Ausflüge zum Schwimmen - ob See- oder Hallenbad, oder die Gartenschlauch- wahlweise Gießkannenaktionen.  Doch jetzt steht fest: Wenn die Erinnerung verblasst, hole ich mir das Zauberpülverchen, streue es mir wieder in die Alltagssuppe, tauche ab in die wundervolle Welt der Erinnerung, in der sie noch lebte und alles noch beim Alten war.

DANKE!


Silke



Das gehörte auch dazu: